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Überblick & Geschichte

 

Die beiden Kapitel „Schauinsland“ und „Technik“ sind ein bedeutender Teil der Webpräsenz des Museums-Bergwerks Schauinsland und umfassen im Sommer 2020 bereits rund 30 Beiträge und über 120 Bilder (teilweise seltene Aufnahmen aus der Betriebszeit), Graphiken und Pläne. Beide Kapitel werden beständig ausgebaut.

 

Das Kapitel „Schauinsland“ widmet sich dem Bergbau und seiner Geschichte. Hier sollen Aspekte des Metallerz-Bergbaus angesprochen werden, die bei den Führungen im Besucherbergwerk nur am Rand gestreift werden, z.B. Aufbereitung und Verhüttung oder die Anfänge des Museums-Bergwerks Schauinsland. Auch vertiefende Informationen rund um den Bergbau im Schauinsland werden geboten. Somit ist es eine gute Vorbereitung einer profunden Bergwerksführung.
Im Kapitel „Technik“ hingegen finden sich Themen der Bergbautechnik.

 

Thematisch zusammenhängende Beiträge präsentieren wir in separaten Kapiteln: So finden sich z.B. Texte und Bilder zu den verschiedenen Mundlöchern des Bergwerks im Beitrag „Grube Schauinsland“;  das große Kapitel „Blei-, Zinkerz-Aufbereitung und Verhüttung“ bringt unter dem Beitrag „Aufbereitung“ auch Spannendes über die Materialseilbahn der Grube, und über die früheren Zinkhütten gibt es hier weiterführende Information im Unterkapitel „Bergbaugesellschaften“. Einfach mal stöbern…

 

Zuerst etwas Geschichte im Schnelldurchlauf:

Der aktive Bergbau im Schauinsland begann vor rund 800 Jahren und dauerte mit Unterbrechungen bis 1954. Mit etwa 100 km Länge verteilt auf 22 Sohlen schuf er das größte Grubengebäude im Schwarzwald und den Vogesen. Abgebaut wurde zuerst silberhaltiger Bleiglanz, ab dem 19. Jahrhundert auch die mengenmäßig dominierende Zinkblende aus bis zu 12 verschiedenen Erzgängen. Gut sind die für den Metallerzbergbau seit dem Hochmittelalter typischen drei Betriebsperioden am Schauinsland zu erkennen. Die endgültige Grubenschließung erfolgte nicht wegen Erschöpfung der Lagerstätte, sondern aus wirtschaftlichen Gründen. Dadurch verloren etwa 250 Bergleute ihren Arbeitsplatz.

 

…und jetzt etwas ausführlicher:

Der heutige Breisgau mit dem Zentrum Freiburg, im Rheintal klimatisch begünstigt, war schon immer ein bevorzugtes Siedlungsgebiet verschiedener Kulturen. Archäologische Funde weisen steinzeitliche, keltische, römische und alemannische Siedlungen nach. Für die Vorbergzone z.B. in Badenweiler, Sulzburg, nicht jedoch für das Schauinslandgebiet, ist römischer Bergbau nachgewiesen. Die Rodung der Wälder und langsame Besiedelung der Schwarzwaldberge begann erst vor rund 1.000 Jahren aus den Tälern heraus. Im Mittelalter war dafür der wesentliche Grund die Suche nach Edelmetallen. Silber (Gold wurde in Mitteleuropa kaum gefunden) war im Mittelalter Grundlage des sich entwickelnden Geldwesens und wegen seiner Knappheit begehrt und teuer. Es war durchaus in seiner Kaufkraft dem heutigen Goldpreis vergleichbar.

 

Über die Anfänge des Bergbaus am Schauinsland um das 13. Jahrhundert ist bisher nicht viel bekannt, denn übertägige Spuren des oberflächennahen Bergbaus aus der Anfangsphase macht die durch Höhenlage und strenge Winter verstärkte Erosion bald unkenntlich. Bereits im 14. Jahrhundert besaß der Bergbau im Schauinsland jedoch eine hohe wirtschaftliche Bedeutung für die Region und war lange Zeit wesentlicher Silberlieferant der Freiburger Münze. Deshalb trafen sich im Juni 1372 einflussreiche Bergwerksbetreiber aus dem Breisgau auf dem Schauinsland bei der Grube Dieselmuth (ungefähr beim Hotel Halde gelegen), um strittige rechtliche Fragen mit Graf Egon IV. von Freiburg zu klären. Das daraus entstandene, bald 750 Jahre alte Dieselmuth-Bergweistum, ist das älteste in deutscher Sprache bekannte Bergrecht.

 

Ausschnitt aus den Glasfenstern im Freiburger Münster, die um 1350 von Bergbautreibenden gestiftet wurden und zu den ältesten Bergbaudarstellungen im deutschen Sprachraum gehören.

 

Ungewöhnlich sind auch die beiden Glasfenster mit Bergbaudarstellungen im Freiburger Münster, gestiftet von damaligen am Schauinsland erfolgreich tätigen Bergwerksbetreibern (Fronern). Das Münster ist die einzige im Mittelalter begonnene und auch fertiggestellte gotische Großkirche in Deutschland. Sitz eines Bischofs wurde Freiburg erst 1821. Das zeigt die nach der Stadtgründung 1120 rasch erreichte wirtschaftliche Blüte und den Wohlstand einer Stadt mit damals nur 5.000 Einwohnern, möglich geworden durch die erfolgreiche Symbiose von Handel und Silberbergbau.

 

Die drei charakteristischen Bergbauperioden am Schauinsland

  1. Der mittelalterlicher Bergbau des 13. bis 15. Jahrhunderts galt überwiegend dem Silber. In dieser ersten Periode erreichte der Bergbau am Schauinsland seine größte Blüte. Der anfängliche Bergbau wurde durch den höheren Silbergehalt in den oberflächennahen Bereichen der Erzgänge (Zementationszone) begünstigt. Probleme mit Grubenwässern traten noch kaum auf und das Gestein war nicht so hart. Mit dem Vordringen in die Tiefe erfolgte gezwungenermaßen der Übergang vom Tagebau zum aufwändigeren Stollen- und Schachtbau.

 

Silberner Rappenpfennig aus Freiburg um 1400 und somit über 600 Jahre alt. Dieser in Freiburg geschlagene silberne Rappenpfennig war als Kleinmünze mit einem stilisierten Raben das Hauptprodukt des mittelalterlichen Bergbaus im Schauinsland (Sammlung Forschergruppe Steiber).

 

Zahlreiche Bergwerke unter verschiedenen Betreibern und in Konkurrenz stehend, beschäftigten damals  Hunderte von Bergleuten. Trotz des mühsamen händischen Herausmeißelns der Stollen entstand bereits im Mittelalter ein Stollensystem mit ca. 10 km Länge im Schauinsland. Teilweise wurden die oberen 200 m der Erzgänge abgebaut und fast die 1.000 m Höhenlinie erreicht, auf welcher Ende des 19. Jahrhunderts die Kapplersohle aufgefahren wurde.

 

Bis Ende des 18. Jahrhundert wurden die Erze vor Ort am Schauinsland aufbereitet und verhüttet. Als Antriebsmedium für die Pochanlagen diente Wasser. Heizmaterial für die Schmelzöfen und Reduktionsmittel war aus Holz gewonnene Holzkohle.
 

Schlägel und Eisen-Auffahrung mit gestufter Ortsbrust im Gegentrum III-Stollen und nur zentimeterweisem täglichen Vorankommen.

 

  1. Beim neuzeitlichen Bergbau des 16. bis 18. Jahrhundert wurde in beträchtlichem Umfang neben dem Silber auch das Blei mitgenutzt, welches im Bauwesen, für Glasuren und militärisch bei den mit Schießpulver betriebenen neuen Kanonen als Kugeln verwendet wurde.

 

Aufgrund des vollständigen Abbaus der reichen, oberflächennahen Erzgänge und des Verfalls des einst hohen Silberpreises durch die großen Edelmetallmengen aus Mittel- und Südamerika verschlechterten sich die wirtschaftlichen Bedingungen für den Bergbau am Schauinsland. Für andere Bergbaureviere im Schwarzwald war damals wegen fehlender Wettbewerbsfähigkeit bereits das Ende gekommen. Im Schauinsland konnte jedoch aufgrund seines Erzpotenzials mit geringeren Erträgen weiter abgebaut werden.

 

Ab etwa 1620 wurde unter Verwendung von Schwarzpulver mit handgebohrten Sprenglöchern untertage gesprengt und damit die Leistungsfähigkeit enorm erhöht. Schwarzpulver, der erste Sprengstoff überhaupt, wurde 1355 für Europa von dem Franziskanermönch Berthold Schwarz in Freiburg erfunden.
 

Handgeschlagene Bohrlochreste im Gegentrum III-Stollen, Zeitaufwand je nach Gestein bis zu einigen Stunden.

 

  1. Der moderne Bergbau ab Ende des 19. Jahrhunderts nutzte erstmalig alle drei in der Lagerstätte vorkommenden Metalle Silber, Blei und Zink. Zink ist ein Metall, welches erst durch die Industrialisierung nachgefragt wurde. Aus Kupfer und Zink entsteht Messing, heute der Kontaktwerkstoff der Elektrotechnik.

 

1889 begann mit der Auffahrung des Kappler-Stollens durch die Gewerkschaft Schwarzwälder Erzbergwerke/Köln eine neue Epoche am Schauinsland. Unter dieser Bergbaugesellschaft wurden alle Aktivitäten am Schauinsland zusammen gefasst, eine nassmechanische Aufbereitung zur Trennung der Erze vom tauben Gestein am Ausgang des Kapplertals errichtet und diese mit einer 5,3 km langen Materialseilbahn an die Grube angebunden. Durch Wasserkraft des Reichenbachs angetriebene Kompressoren erzeugten Druckluft zum Antrieb der Bohrhämmer und gesprengt wurde mit Dynamit, einem modernen, sehr leistungsfähigen Sprengstoff.

 

Nach zwei Gesellschaftswechseln und 5 jähriger Betriebsunterbrechung übernahm 1935 die Stolberger Zink AG/Aachen als letzte aktive Bergbaugesellschaft den Grubenbetrieb am Schauinsland und modernisierte ihn nachhaltig. Wesentliche Neuerung war der Umbau der Aufbereitung in eine Flotation. Somit wurde nicht mehr nach Dichteunterschieden selektiert, sondern nach verschiedenen Oberflächenbenetzbarkeiten, einem viel trennschärferen Verfahren. Damit stand erstmalig ein der Lagerstätte angemessenes Aufbereitungsverfahren zur Verfügung.

 

In den beiden Weltkriegen mußte Raubbau mit höchstmöglicher Förderung betrieben werden, unter totalem Verzicht auf weitere Aus- und Vorrichtung der Lagerstätte.

 

Der Tiefbau erreichte 1952 mit der 9. Sohle auf +358 m Höhe über NN den tiefsten Punkt der Grube Schauinsland und damit einen Teufenaufschluss von 900 m. Die Ergebnisse enttäuschten jedoch. Die Verschlechterung der Erzgänge zur Teufe, deutlich gestiegene Lohnkosten und eine langanhaltende Baisse an den Metallmärkten machten die Grubenschließung zum 31. Oktober 1954 unvermeidlich. Da zukünftige Bergbauaktivitäten im Schauinsland ausgeschlossen wurden, erfolgte eine vollständige Demontage aller unter- und übertägigen Einrichtungen einschließlich der Aufbereitung. Nur das Wasserkraftwerk an der Brugga im Oberrieder Tal (insgesamt 620 kW) lieferte nun seinen Strom in das öffentliche Netz und wurde 1969 an einen privaten Betreiber verkauft.

 


Aktuelle Aufnahme des früheren Grubenkraftwerks im Oberrieder Tal – das sichtbare Bauwerk ist heute funktionslos, da inzwischen ein GFK-Rohr von 90 cm Durchmesser im Boden verlegt ist.

 

Inneneinrichtung des früheren Grubenkraftwerks in Oberried: Die dreiteilige Instrumententafel aus Marmor mit den Bergbausymbolen „Schlägel & Eisen“ und „Glück auf“ ist etwas Besonderes. Eigene Grubenkraftwerke waren selten. Dieses verhinderte zum Ende des II. Weltkriegs ein Absaufen der Tiefbaue unter der Leopoldsohle und speist heute seinen Strom von max. 620 kW aus zwei Gefällestufen und vier Generatoren in das öffentliche Netz ein.

 

1970 kaufte die damals selbstständige Gemeinde Kappel das Bergwerkseigentum von der Stolberger Zink AG, welches mit der Eingemeindung 1974 zur Stadt Freiburg kam. Für das Museums-Bergwerk Schauinsland hat Berthold Steiber einen Gestattungsvertrag mit der Stadt Freiburg bis 2049.

 

 

FGS 07/2020